Ja, ja, man glaubt es kaum, doch die "alten" Herren haben sie noch, die Power! Und was für eine! Mächtige, permanent am Sidepunkt brodelnde, neue Scheibe des ex-"Mountain"-Veteranen Leslie West, der sich 12 ausgesuchte Blues- und Bluesrock-Klassiker vorgenommen hat, denen er mit all seiner zur Verfügung stehenden Inbrunst seinen eigenen, unverkennbaren Stempel aufgedrückt. Leslie West, wie er leibt und lebt! Beeindruckend dabei, neben der gewohnt furiosen Gitarrenarbeit, auch seine unglaublich starke Gesangsleistung! Sein dreckiges, intensives Organ hat selten besser geklungen, selbst zu glorreichen Mountain-Zeiten nicht. Apropos Mountain: Es ist klar, daß man die typischen Anlagen von West's legendärer Combo jederzeit spürt, doch das ist auch gut so. Das wollen wir hören! Dementsprechend hart und muskulös brennt er mit seinen großartigen Mitstreitern, dem grandiosen Aynsley Dunbar (u.a. Zappa, Jefferson Starship, Jeff Beck...) am Schlgzeug und dem nicht minder "berühmten" Bassisten Tim Bogart (Vanilla Fudge), nicht zu vergessen den zweiten Gitarristen Keviin Curry, ein vor Kraft nur so strotzendes, fettes Bluesrock-Feuerwerk ab, das so manchem "Jungspund" aufzeigt, wo seine Grenzen sind. Satte, erdig röhrende, zündende, voller Macht aus den Lautsprechern donnernde Gitarrensoli und glühende Slideläufe überall! Die Saiten scheinen immer unter Strom zu stehen. Ein kleiner Auszug aus den Songs: Es beginnt mit dem Morganfield-Standard "Baby please don't go", einem wunderbaren, gut abgehenden Blues-Boogie-Rock'n Roll, voller feuriger Slide-Läufe, zuweilen in einem prächtigen Parallelspiel, gefolgt von der grandiosen, schwergängigen, von rauen, kratzenden und sägenden Gitarren umsäumten Heavy-Bluesrock-Nummer "Third degree" (geschrieben von Boyd/Dixon) und dem dynamischen, Slide-getränkten "Louisiana blues"! Anschließend präsentiert West eine tolle Version von Willie Dixon's "I can't quit you", bei der er gesanglich wirklich alles gibt und dabei noch die Gitarre nach allen Regeln der Kunst bearbeitet. Danach der alte Animals-Evergreen "House of the rising sun", beginnend in einem großartigen Acoustic-Gewand mit toller Acoustc-Slide, sich dabei enmal mehr die Seele aus dem Hals schreiend (ohne jemals die Kontrolle zu verlieren oder gar zu überdrehen), ehe die Band einsetzt und es dann doch noch satt elektrisch wird. 1000mal gehört, aber in solch einer Fassung wieder einmal ein Genuß! Genau, wie der lässige Elmore James Blues-Boogie "(Look over) Yonder's wall", die fette Interpretation von Cream's "Politician" oder die fantastische Version der Free-Nummer "Walk in my shadow", die in dieser prachtvollen, trockenen, so schön dreckig und fett rockenden Fassung doch tatsächlich an Govt Mule erinnert. Toll auch noch das abschließende "Heartbreak hotel", das Leslie solo vorträgt. Nur sein intensiver Gesang und eine feurige Electric Slide, nichts weiter - und dennoch brennt die Hütte! Der alte Haudegen hat aber auch gar nichts verlernt. Das ist allerbester, klassischer, voller Energie steckender Mountain-like Bluesrock, der einfach elektrisiert! Rock on, Leslie!
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