"Je oller, desto doller"! Diese etwas abgedroschene Phrase paßt durchaus zu dem neuen Album dieses legendären Texas-Outlaws - und das meinen wir wirklich positiv! Das ist schon mutig, was er da macht, vielleicht auch ein kleines bißchen verrückt, doch es verdient Hochachtung und zeigt einmal mehr Willie's ganze Klasse! Zuletzt machte er schon längst nicht mehr nur Countrymusic, öffnete sich vielen Genres und lieferte mit "Milk cow blues" auch eine reine, sehr gelungene Blues-Scheibe ab, doch mit "The great divide" präsentiert er eine ganze Ansammlung verschiedener Stilrichtungen auf einer einzigen CD. Und das klappt bestens! Allzu kritische Stimmen werden wohl sagen er verzettele sich mit diesem Werk, oder wirke orientierungslos, aber solche Skepsis ist einfach nicht angebracht. Trotz dieser Stilvielfalt unterschiedlichster Art wirkt das Album insgesamt wie eine feste, geschlossene Einheit. Die übergreifenden Brücken der diversen musikalischen Richtungen sind vollkommen natürlich. Auch wenn nach einem Countrysong plötzlich ein Rockstück oder etwas Souliges kommt, nie hat man den Eindruck es würde nicht passen. Willie Nelson ist modern geworden, ohne traditionelle amerikanische Rootsmusik zu vernachlässigen. "The great divide" ist ein Texas-Singer-Songwriter- /Country- /Americana- /Rock- /Pop- /Soul- /Blues-Album mit einem toll aufgelegten Willie Nelson, punktgenau fixiert auf die heutige Zeit. Was für eine tolle Songauswahl! Dabei greift er bis auf ein Stück auf angesagte moderne und auch etablierte Songwriter zurück und läßt sich von einer ganzen All-Star-Riege gesanglich und in Duetten unterstützen. Dazu zählen Matchbox Twenty's Rob Thomas (hat 3 Songs komponiert), Sheryl Crow, Kid Rock, Alison Krauss, Lee Ann Womack, Brian McKnight und Bonnie Raitt! Unter den Musikern: Kenny Aronoff, Greg Leisz, Lee Sklar, Heitor Pereira, Matt Roillings...usw.! Erstklassig produziert hat Matt Serletic! Es beginnt alles mit dem wunderbaren Stück "Maria" von Rob Thomas (singt auch mit), der damit zeigt, daß er zu recht zu den momentan gefragtesten Songwritern des modernen Rocks zählt. Großartiger, sehr rhythmischer Poprock mit Americana-Flair, feinem Groove und einer tollen Melodie. Es folgt mit "Mendocino County line" ein feines Modern Country/New Country-Stück, bei dem Lee Ann Womack mit herrlichem Duett-Gesang aushilft. "Last stand in open country" beginnt mit modernen Scratches und entwickelt sich zu einem richtigen Rocktrack mit Roots-Charakter, bei dem Modern Rock-Bad Boy Kid Rock kräftig mitmischt. "Won't catch me cryin'" ist eine piano-orientierte Ballade, ehe man mit dem Titelstück den eigentlich einzigen "echt typischen" Willie Nelson-Track auf diesem Album findet. So geht es verschiedenstlich weiter. Noch ein absoluter Höhepunkt ist eine flotte, abgefahrene Version von Cyndi Lauper's "Time after time". Ein klasse Album, mit einem Willie Nelson, der damit wohl seinen x-ten Frühling erlebt und wieder ganz oben auf ist. Die vorliegende US-Ausgabe kommt im sehr schönen, edlen, toll verarbeiteten Digipack mit Prägeschrift.
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