Welch ein beeindruckendes Debut! Eine junges Quintett aus der im Pierce County des U.S.-Bundesstaates Washington liegenden Kleinstadt Puyallup macht sich auf, den erdigen, "soulful Classic Guitar-Rock" der ersten Siebziger-Hälfte, und zwar den tief im Süden der Staaten verwurzelten, voller Esprit, Frische, Leidenschaft und Authentizität in die Gegenwart zu transportieren. Das Urteil vorab: Es gelingt ihnen einfach grandios! "Revival Rock" heisst das famose, erste Album von SweetKiss Momma - und der Name des Werkes ist Programm. 3(!) Gitarren, Bass und Schlagzeug braucht's, ab und zu noch eine seelige Keyboard-Untermalung (Gastmusiker Mark Fredson), eine gesunde Portion Unbekümmertheit, über jeden Zweifel erhabene handwerkliche Fähigkeiten, Spirit, Inspiration und das richtige Gespür für die richtigen Songs (der Löwenanteil der Stücke wurde von Sänger/Gitarrist Jeff Hamel und Lead Gitarrist Aaron Arnold komponiert), um ein Album einzuspielen, das, wäre es vor 35 Jahren erschienen, wohl Kultstatus hätte erreichen können. Wie dem auch sei, auch heute darf gejubelt werden, denn es ist einfach ein Segen, dass immer wieder junge Bands auftauchen, die die Fahnen ehrlicher, klassischer (Southern)Rock-Musik hoch halten - und das mit solch einer Qualität. Ja, ja, wir haben SweetKiss Momma's Musik eingangs als "soulful Classic Guitar-Rock" bezeichnet, doch wir möchten dies ein wenig spezifizieren. Die Einflüsse ihrer Musik reichen vom späten Sechziger Jahre, Blues-geprägten Riff-Rock (auch britischen Ursprungs), über klassichen Roots- und Hardrock, 70's Ära-Jamrock bis hin, und das ist am deutlichsten hörbar, zu den goldenen Zeiten des guten, alten Southern Rocks. Drückt man das in Namen aus, so reicht die Palette von Bands wie Led Zeppelin, The Faces und Free, über The James Gang, The Black Crowes, Lynyrd Skynyrd, The Allman Brothers Band, Credence Clearwater Revival, bis hin zu Foghat, Widespread Panic und, um mal eine ähnlich junge, neue Band zu nennen, Medusa Stone. Das Material wird herrlich retro in Szene gesetzt, klingt dabei aber alles andere als "angestaubt", sondern ist mit der nötigen Portion Frische und Eigenständigkeit ausgestattet, die es braucht, um diese großartige "Mugge" fest in der heutigen Zeit zu etablieren. SweetKiss Momma spielen einen prächtigen, einerseits sehr abwechslungsreichen, durchaus mit musikalischen Finessen gespickten, andererseits sehr straighten, von schnörkelloser Kompaktheit geprägten, immer wieder genügend Freiraum für instrumentelle Gitarrenausflüge bietenden, kraftvollen Rock'n Roll, der vor Spielfreude nur so sprüht. Unterlegt von einem klasse Groove, wird das Ganze von einer schön satten, breiten Gitarrenpräsenz dominiert, die ihre Höhepunkte immer wieder in großartigen, dreckigen und zündenden Soli findet. Dabei ergänzen sich die beiden Gitarristen Waid Hoyt und der führende Lead Gitarrist Aaron Arnold (erinnert zuweilen ein wenig an Lynyrd Skynyrd's Allen Collins) ganz gervorragend (die 3. Gitarre wird vom hervorragenden Sänger Jeff Hamel beigesteuert). Das sind alles exzellente Musiker! Fette, dynamische, straighte Riffs und eine bluesige, sehr würzige Wah Wah Lead-Gitarre sind die bestimmenden Indikatoren des bärenstarken Openers "Ready to go", der sofort diesen wunderbaren Seventies Retro Classic Rock-Sound mit seinem southern-rockigen und jammigen Ambiente offenbart, dem die Band während des gesamten Albums ein so mitreissendes "Revival" beschert. Klasse Gesang, eine starke Melodie und im Mittelteil ein feuriges Wah Wah-Solo! Hat etwas von The Black Crowes, vielleicht auch ein wenig von Drivin' N' Cryin', einen Hauch von Gov't Mule und von den Riffs der legendären James Gang um Joe Walsh. Vor allem aber hat die Nummer Feuer! Wie auch das anschliessende, packende "Son of the mountain"! In diesem fetten, powernden Rocker hält, obwohl in den Riffs Spuren von Led Zeppelin auszumachen sind, ein ordentliches, "smoking" Southern Rock-Feeling Einzug. Massive, schwerblütige, drückende E-Gitarren, die ein herrliches Southern-Brett erzeugen, und eine gut abgehende, "galoppierende" Dynamik bilden eine würzige Balance, die ordentlich Dampf erzeugt. Eine klasse Meldoie, dezente Orgel-Fills und eine Wet Willie-mässige Bluesharp ergänzen das Ganze. Wunderbar! Nach dem von einem klasse Funk-Groove getragenen, dennoch sehr gefälligen Rootsrocker "Slow fade", folgt ein mit sehr tighten Faces-like Riffs bestückter Rocker namens "Mercy love", der kurz nach dem Start einen tierischen Southern Boogie-Drive und ein tolles Jam-Feeling entwickelt. Abgehende Lynyrd Slynyrd treffen auf sehr southern-orientierte Foghat und entfachen ein gewaltig brodelndes, swampiges Klima. Trotz der Schwüle und des rootsigen Drecks besticht der Song mit einer sehr flüssigen Dynamik. Besondere Würze und erhöhte Temperatur erzeugt die brennende, zwirbelnde, glühend heiss, rau und messerscharf in Szene gesetzte, herrlich spielfreudige, dabei ungemein "alr" klingende Lead Gitarre. Toll! Das tierische Solo in der Mitte ist "pure southern". Auch das folgende, melodische, riffige "Rocket ride" "riecht" voll und ganz nach Southern Rock (röhrende Slide im Break, klasse Orgel-Untermalung), was auf die traumhaft melodische, mit herrlich transparenten E-Gitarren bestückte, sehr harmonische Ballade "Strange fire" (erneut schöne Orgel-Ergänzung) fast noch mehr zutrifft. Satten, dynamischen, von einem gut Gas gebenden Rhythmus nach vorn getriebenen, klassischen Riff.Rock, der natürlich erneut das bluesige Southern Rock-Terrain beackert, bekommen wir mit dem kochenden "Sweet little thing" angeboten (glühende Dual Lead Gitarren-Attacke inklusive) - und so gibt sich die Truppe mit einer starken Nummer nach der nächsten auch weiterhin nicht die geringste Blöße. SweetKiss Momma stehen für das, was sie mit ihrem Albumtitel versprechen. Sie stehen für ehrlichen, unverfälschten, authentischen "Revival Rock". Auch sie gehören zu der Kategorie Bands, die dafür einstehen, dass man sich um den Fortbestand des "Old School (Southern)Rock'n Rolls" wirklich keine Sorgen zu machen braucht. Halten wir es mit dem großartigen Eröffnungstrack dieses "bärigen" Albums und sagen: "Yes, we are 'ready to go'... - und wir können von solch einer "geilen" Retro-"Mugge", im übrigen exzellent produziert, einfach nicht genug bekommen...
Das komplette Tracklisting:
1. Ready To Go 3:22
2. Son of the Mountain 4:03
3. Slow Fade 2:49
4. Mercy Love 4:19
5. Rocket Ride 3:52
6. Strange Fire 6:00
7. Sweet Little Thing 3:26
8. Ounce Left of Pride 3:14
9. Sugar In the Raw 3:18
10. Come Clean 5:00
11. Good God Woman 2:36
12. To Help A Man 4:38
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