Bärenstarkes, neues Album des aus Toronto in Kanada stammenden, unterdessen aber in Nashville/Tennessee lebenden "Guitarslingers", der nach seinem Southern Rock-Ausflug mit den New Soul Cowboys nun wieder zum klassischen Gitarren-Bluesrock zurückkehrt. Und wie! "Up 2 zero" zeigt ihn in brillanter Verfassung. Rockig, aber tief im Blues fundamentiert, klassisch und modern zugleich, setzt er seine aussergewöhnlichen Talente (tolles Songwriting, erstklassiger Gesang, famoses Gitarrenspiel) besser ein denn je. Beeinflusst von solchen Größen wie Stevie Ray Vaughan, Jimi Hendrix, B.B. King, Buddy Guy, Johnny Winter, aber auch von der klassichen Rockmusik und der des amerikansischen Südens, begeistert Gomes durch große Variabilität und Qualität. Seine exzellente, handwerklich fantastisch umgesetzte Lead-Gitarrenarbeit ist stets der jeweiligen Songthematik angepasst - mal sehr vital und dynamisch, dann wieder emotional und voller Gefühl. Er lässt seine Gitarre regelrecht "sprechen", verliert sich nie in beliebigen, nur von "blinder" Saitenakrobatik und Geschwindigkeit berauschten Soli, sondern gibt seinen ausgedehnten Gitarrenausflügen stets ein "Gesicht", eine Identität, die für jedes einzelne Stück genauso viel Bedeutung hat, wie sein ebenfalls fantastischer Gesang. Ja, der Bursche singt großartig. Intensiv, mit dieser prächtigen, "growling", Staub-gegerbten und Whiskey-resistenten Stimme, die so viel Seele und Ausdrucksstärke vermittelt. Sämtliche Songs stammen aus Gomes' Feder, fünf davon im Verbund mit Jim Peterik (ex Ides Of March, Survivor, sowie Songwriter für 38 Special) und einer zusammen mit Tom Hambridge. Eingespielt wurde das Material mit ein paar Elte-Cracks der Nashville Studio-Szene, nämlich Reese Wynans an den Keyboards, Michael Rhodes am Bass und Greg Morrow am Schlagzeug. Was die Truppe hier vollbracht hat, ist Bluesrock vom wirklich Allerfeinsten! Los geht's mit dem satten, dynamischen und toll groovenden Bluesrock-Shuffle "Back to the start", der überwiegend von tierischen Wah Wah-Licks geprägt wird. Gomes singt intensiv und drückend. Das hat Biß, jede Menge Soul und viel Atmosphäre. Dazu feuert der Protagonist gleich ein bärenstarkes, glühendes Solo ab. Es folgt das grandiose "One last time", ein durchaus dreckiger, klassischer Gitarren-Blues, der zwar knackig rockt, aber auch ein herrliches Laid Back-Feeling ausstrahlt. Gomes' Lead Gitarrenspiel ist einfach brillant. Durch den gesamten Song zieht sich, so scheint es, ein einziges, kaum unterbrochenes, emotionales, überaus virtuos zelebriertes, melodisches, voller Charisma steckendes Solo, das, unterstützt von einer unauffälligen, den Sound aber prima erweiternden Orgeluntermalung, die ideale Ergänzung zu Gomes' vorzüglichem Gesang darstellt. Ganz große Klasse! Die darf man auch dem anschließenden "Love sweet love" attestieren. Das ist knackiger, kraftvoller, gleichzeitig aber auch schön flüssiger Bluesrock mit einer Brise Southern-Soul. Erinnern die Riffs vielleicht noch ein wenig an Hendrix und Vaughan, kommt einem im Verlauf des Stückes auch die gute, alte The Marshall Tucker Band und ihr großartiger Gitarrist Toy Caldwell in den Sinn. Texanisch bluesig klingt es dann bei dem traumhaft melodischen, sehr "soulful" vorgetragenen "Fly away", das gleichzeitig auch von klassischen Rock-Rhythmen bestimmt wird. So in etwa als träfen Bad Company auf David Grissom's kultige Bluesrock-Formation Storyville. Wunderbar hier die weiblichen Background-Gesänge im Refrain und Gomes' exzellente Lead Gitarre. Ganz hervorragend beispielsweise auch der emotionale Slow-Blues "Darkest before the dawn" (die hier eingesetzten Streicher stören überhaupt nicht), der dampfende, swingend abgehende, dynamische Texas Roadhouse-Boogie "Room 414" (im übrigen inspiriert von dem Hotelzimmer, in dem einst Robert Johnson einiges aufgenommen hat), der fast schon bedrohlich inszenierte Delta-/Swamp-Blues "Voodoo moon" (toller Southern-Spirit), und das bewegend vorgetragene, etwas spirituell und "stripped down" rootsig inszenierte "Last Bluesman gone", in dem Gomes sehr herzlich, ehrfürchtig und emotional die Namen von solchen gegangenen Legenden wie Big Jack, Koko, Pinetop, Gary Moore, Big Eyes, Honeyboy, Hubert Sumlin und Etta James erwähnt. Anthony Gomes' neues Werk hat bereits im Vorfeld seiner Veröffentlichung unter den Musik-Fachleuten und -Kritikern für überschwengliche Reaktionen und jede Menge Anerkennung gesorgt. Vollkommen zu Recht! "Up 2 zero" ist ein wunderbares Teil geworden, das die Balance ziwschen Tradition und Moderne exzellent auslotet. Solche Leute braucht der Bluesrock! "Well done Mr. Gomes, well done"!
Das komplette Tracklisting:
1. Back To The Start (3.33)
2. One Last Time (4.54)
3. Love Sweet Love (3.29)
4. Fly Away (3.38)
5. Darkest Before The Dawn (3.51)
6. Room 414 (2.45)
7. Voodoo Moon (4.15)
8. Anywhere You Run (3.55)
9. Last Bluesman Gone (2.09)
10. Up 2 Zero (3.09)
11. N’Abandonne Pas (3.34)
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