Detroit's famose Rootsrock-Formation ist zurück mit einem neuen Album - und sie werden immer stärker! Der Sticker auf der Verpackung mit einem Zitat des amerikanischen "Paste"-Magazins charakterisisert die Musik der Deadstring Brothers folgendermassen: "Imagine Mick Jagger, Keith Richards and Gram Parsons in their primes, transplanted to Detroit, laid off from the Ford plant, pissed off and ready to pound longnecks at the local saloon". Es passt und drückt die Philosophie der Band, aber auch deren Klasse, in "blumigen" Worten absolut treffend aus. Ja, es ist eher noch untertrieben, so stark offenbart sich die Truppe. Auf "Sao Paulo" präsentieren sich die Deadstring Brothers in bestechender Form und servieren uns ihren umwerfenden, dreckigen, rauen, erdigen "gritty" Rootsrock mit seinem wunderbaren "soulful Countryrock-Touch", dem jederzeit in der Nase kribbelnden Southern Rock-Esprit und dem tief fundamentierten Rolling Stones-Einfluss besser denn je. Die "Steine" zu ihrer bahnbrechenden "Exile in Main Street"-Zait sind in der Tat allgegenwärtig. Wohl kaum eine Band zuvor hat die Ruppigkeit der damaligen Stones-Ära mit der Countryrock-Mentalität eines Gram Parsons besser verbunden als die Deadstring Brothers. Trotz dieses starken Einflusses, so extrem er auch sein mag, wirken die "Deadstrings" zu keiner Phase ihrer Musik wie Imitation der Stones. Dazu sind sie einfach viel zu innovativ, strotzen nur so vor eigenen Ideen, sind einfach viel zu gut. Vielmehr zollen sie Jagger und seinen Freunden mit ihrer großen musikalischen Kompetenz Tribut, verbeugen sich vor ihnen und versuchen die damalige Stones-Ära in einem weiterentwickelten Gewand in die heutige Zeit zu transportieren. Das gelingt ihnen exzellent! Bestimmt wird das musikalische Geschehen vorwiegend durch das vorzügliche Zusammenspiel der beiden Gitarristen Kurt Marschke (er ist klar der "Kopf" der Band, Songwriter, gleichzeitig Sänger, dabei ungemein ausstrahlungsstark, stimmlich das nahezu perfekte Jagger-Double) und Spencer Cullum (neben der Lead E-Gitarre auch Slide-Gitarre und Pedal Steel), sowie den grandiosen Klavier-Ergänzungen des "heimlichen fünften Mannes" Ross Westerbur. Das Songmaterial ist phantastisch - abwechslungsreich, jederzeit "spannend" in Szene gesetzt, und trotz des "rotzigen" Ambientes so herrlich eingängig und melodisch. Neben den bereits erwähnten Einflüssen finden sich in den Arrangements auch immer wieder Spuren solcher Kollegen wie The Black Crowes, der Drive-By Truckers, John Hiatt, The Band, der großartigen The Band Of Heathens und der gesamten American Outlaw-Bewegung. Das zeigt die ganze Vielseitigkeit der Deadstring Brothers. Sogar ein gewisses Jam-Feeling kann man ihnen nicht absprechen. Also rein in den Player mit der CD: Wir hören sprödes, staubtrockenes, wunderbares Spiel auf der Acoustic Slide. Es stellt sich unmittelbar eine melodische Vertrautheit ein. Kurt Marschke beginnt mit seinem unwiderstehlichen Gesang, schließlich setzt die komplette Band ein. Mit dem Titelstück "Sao Paulo" entwickelt sich ein prächtig strukturierter, kerniger, viel instrumentellen Freiraum auskostender, packender, jammiger Southern-fueled Rootsrocker voller Würze, Herz und Seele. Die Deadstring Brothers nehmen ihre Zuhörer von der ersten Sekunde an gefangen. Gipfelt in der Mitte in einem baumstarken Electric Slide-Solo von Spencer Cullum. Ein grandioser Auftakt, dem allerdings noch jede Menge weiterer "Knaller" folgen. Zum Beispiel der knackige, raue, melodische, straighte Roots-/Countryrock-Kracher "Smile" (die Betonung liegt auf "Rocker"), mit seinem kompakten Arrangement aus rotzigen, erdigen E-Gitarren (zündendes Solo) und dem schönen Hintergrund aus Hammond Orgel und klimperndem Piano, der noch mehr Drive aufbauende, genauso locker wie dynamisch nach vorn gehende "whiskey-soaked" Rocker "Houston" (tolles Slide-(Lead Gitarren-Zusammenspiel, feuriges Slide-Solo, herrliches Honky Ronk-Piano, großartiges Southern-Flair - wie eine "spicy" rockende Mischung aus den Rolling Stones und Lynyrd Skynyrd), die traumhaft melodische, irgendwo zwischen The Band , den Stones und The Band Of Heathens angesiedelte, spirituell angehauchte Roots-/Americana-/Southern-Ballade "Adalee" (wunderschönes Akkordeon-Spiel, feine Acoustic Slide, Fiddel, Klavier und exzellenter Gospel-mässiger, weiblicher Background-Gesang im Refrain), u.s.w., u.s.w.! Das Material ist, wie gesagt, durchweg von höchster Qualität. Was für ein prächtiges Album! Die Deadstring Brothers mit einem absoluten Rootsrock-Juwel!
Das komplette Tracklisting:
1 São Paulo - 5:55
2 Smile - 3:05
3 Houston - 3:49
4 Can't Make It Through the Night - 3:22
5 Adalee - 5:11
6 The River Song - 3:02
7 It's a Shame - 4:05
8 The Same Old Rule - 3:17
9 Yesterday's Style - 3:07
10 Always a Friend of Mine - 3:11
|