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Welch, Kevin - a patch of blue sky [2010]
Das ist die hohe Kunst des rootsigen Americana-Storytellings, eingepackt in 10 intelligente, überaus eingängige, wunderschöne, "stripped-down" instrumentierte Lieder von faszinierender Authentizität. Der in Long Beach/Californien geborene, in Oklahoma aufgewachsene, später nach Nashville übergesiedelte und nun im texanische Hill Country lebende Singer-Songwriter gehört, auch wenn vielen vielleicht recht unbekannt, zu den ganz Großen seiner Zunft. Fast die gesamte Nashville-Elite, von Trisha Yearwood bis Patty Loveless, von Waylon Jennings bis Garth Brooks, von Ricky Skaggs bis zu Johnny Cash's Highwaymen, u.s.w., hat während seines Engagements für den Sony/Tree-Songwriter-Stab irgendwann einmal ein von ihm komponiertes Stück aufgenommen. Zudem veröffentlichte er in den Jahren 1990 und 1992 zwei erstklassige, überaus dynamische New Country-/Countryrockscheiben für ein Major-Label, ehe er Mitte der Neunziger damit begann, sich von dem "Nashville-Geschäft" zurückzuziehen, um mit einer Horde anerkannter Roots-/Americana-/Alternate Country-Kollegen (Kieren Kane, Harry Stinson, Tammy Rogers und seinem damaligen Gitarristen Michael Henderson) das noch heute kultige "Dead Reckoning"-Label zu gründen. Dort veröffentlichten die genannten Künstler, auch Welch, einige prächtige Solo-Alben, ehe sich Welch für einige Acoustic-Projekte mit Kieran Kane und dem in der Szene überaus geschätzten Multi-Instrumentalisten Fats Kaplin zusammentat. 9 Jahre sind es her, dass Kevin Welch sein letztes Solo-Album veröffentlichte. "A patch of blue sky" setzt dieser "Saure Gurken"-Zeit nun ein lang herbeigesehntes Ende, vor allem aber ein bärenstarkes. Was für eine großartige CD! Traumhaft schöne, herrlich "gritty", trocken und staubig inszenierte Roots-/Folk-/Alternate Country-/Americana-Musik voller exzellenter, in unaufdringlichen Full Band-Arrangements dargebotener, natürlicher, authentischer, vorwiegend in einem mittleren Tempo gehaltener, sehr angenehmer, zumeist wunderbar ins Ohr gehender Songs, oft ausgetattet mit einer gediegenen Prise Soul, Southern-Soul, Gospel und Blues. Das wirkt überwiegend sehr entspannt, steckt aber voller Emotionalität. Die Reminiszensen an Welch's neue, texanische Heimat sind ünüberhörbar, was Vergleiche zu Songwriter-Größen wie Guy Clark, Joe Ely, Robert Earl Keen und Townes Van Zandt unumgänglich macht. Aber auch ein Buddy Miller ist sicher so etwas wie ein musikalischer Seelenverwandter Welch's. Klasse ist, dass Welch nach den oft allzu spröden Zusammenarbeiten mit Kieran Kane, nun wieder viel mehr Wert darauf legt, seine großartigen Geschichten in gefällige, melodische Songstrukturen zu packen, die einfach prima hängen bleiben. Hilfreich dabei ist, dass er in seine brillante, "dusty" Roots-/Americana-Gegenwart immer mal wieder seinen alten Country-Spirit einfliessen lässt. Welch ist ein toller, charismatischer Sänger mit einer für diese Americana-Musik wie geschaffenen, Staub-gegerbten Stimme voller Inspiration, Kraft, Lockerheit und Emotion - je nachdem, wie es die entsprechende Thematik verlangt. Dazu hat er eine exquisite Mannschaft aus Nashville, Austin und der eigenen Familie als Begleitmusiker am Start. Das sind der famose Drummer Rick Rochards an den Schlaginstrumenten, Glenn Fukunaga am Bass, der grandiose Bukka Allen an den Keyboards, Brian Standefer am Cello, Fats Kaplin an der Pedal Steel, sowie Sohnemann Dustin Welch am Banjo und der Gitarre, wie auch Tochter Savannah Welch mit ihrer eigenen Combo "The Trishas" als Background Sängerinnen Ebenfalls als Sangespartnerin dabie: Eliza Gilkyson. Zu den Highlights des von vorn bis hinten extrem starken Songmaterials zählen solche Nummern wie das etwas folkig beginnende, mit einer schönen Portion Southern- und Gospel-Soul ausgestattete Roots-/Americana-Stück "The great emancipation" (tolle Orgel-Untermalung und Piano-Fills, herrlich knackiges Drumming während des sehr melodischen Refrains), der wundervolle Opener "Come a rain" (rollt wie ein magischer "Roots-Train" entlang der Routen zwischen Nashville, Memphis, und Austin, begleitet von großartigen Gitarren-, Slide- und Wurlitzer Klängen, der traumhaft melodische, rootsige Americana-/Countryrocker "Marysville", der wie eine Mischung aus Buddy Miller und Radney Foster daher kommt (trockene, erstklassige Banjountermalung, knackiger, aber lockerer Rhythmus, sehr schöne Gitarrenlicks), der herrliche, entspannte, bluesige Folk-/Country-/Americana-Rocker "Midnight and noon" mit den vorzüglichen, erfrischend klaren Pedal Steel-Einlagen von Fats Kaplin, dem trockenen Banjo-Picking und den prächtigen Akkordeon-Klängen (entfernt kommen einem hier gar The Band oder ruhige The Band Of Heathens in den Sinn), die ganz ruhige, nur von akustischer Gitarre und Cello begleitete Storytelling-Nummer "New widow's dream", die wundervoll melodische, mit einer feinen Portion Memphis-Soul gewürzte Americana-Nummer "Answer me that" (grummelnde Hammond Orgel, großartiges Dobro-Picking), oder auch das stark Gospel-inspirierte, kraftvolle Titelstück "A patch of blue sky" mit seinen erdigen Slide-Fills und den souligen, weiblichen Background-Gesängen. Egal, welchen Song man auch beleuchtet, es läuft auf ein beeindruckendes Gesamtresutltat hinaus. Das ist authentische, mit der richtigen Portion natürlichem Staub behaftete Roots-/Alternate Country-/Singer-Songwriter-/Americana-Musik ohne jeden Makel. Wir wiederholen es gern: Kevin Welch gehört zu den ganz Großen seiner Zunft.

Das komplette Tracklisting:

1 Come a Rain - 5:08   
2 The Great Emancipation - 4:30   
3 Andaman Sea - 3:54   
4 Marysville - 3:38   
5 New Widow's Dream - 3:51   
6 Midnight and Noon - 4:33   
7 Long Gone Dream - 3:18   
8 Answer Me That - 3:38   
9 That's How it Feels - 4:51   
10 A Patch of Blue Sky - 5:14

Art-Nr.: 7004
Gruppe: Musik || Sparte: Rock; Country
Status: Angebot || Typ: CD || Preis: € 9,90

In folgende Titel können Sie reinhören:
Come a rain
The great emancipation
Marysville
Midnight and noon
Answer me that
A patch of blue sky

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