Hut ab, Vince! Seit Jahren zählt er zu den Vorzeige-Künstlern der Mainstream-Country/New Coountry-Bewegung in Nashville. Sowohl Fans als auch Musiker-Kollegen lieben seine so großartige, herzerwärmende Stimme genauso, wie sie sein fantastisches Gitarrenspiel bewundern. Über ein Dutzend Grammys und einen Haufen CMA-Trophäen nennt er sein eigen, 22 Millionen Platten hat er bereits verkauft, und nun kommt dieses "next big thing", ein Album, mit einem Vince Gill in absoluter Höchstform. Was ist mit diesem Burschen geschehen? Der wird nicht müde, der ruht sich nicht auf seinen Lorbeeren aus, nein - es scheint, als sei er durch einen regelrechten Jungbrunnen gewatet, solch eine Frische versprüht dieses Album. Und er bedient seine Fans gleich richtig, mit einer stattlichen Anzahl von 17 (!) neuen Songs bei 65 1/2 Minuten Spielzeit. Dabei gelingt es ihm, sich vom Start der CD bis zum Ende gleichbleibend auf einem sehr hohen Niveau zu bewegen. Die Songs sind so stark, wie schon lange nicht mehr. Erfreulich dabei ist, daß die vielen Balladen, in denen er sich bei seinen jüngeren Veröffentlichungen zuweilen allzu oft erging, bei weitem in der Minderzahl sind. Nein, das ist wieder der "alte", junge Vince Gill zu besten "Liza Jane"-Zeiten, mit einer gesunden Mischung aus fetzigen, abgehenden Uptempo-Nummern, knackig, lebendig, rein und frisch, voller herrlicher Melodien, brillanter Gitarrenläufe, und hin und wieder mal einer eingestreuten Ballade in alter "Pocket full of gold"-Tradition. Los geht der Reigen mit dem Titelstück! Eine klasse, rhythmische, gut abgehende Country "Shuffle"-Party-Nummer mit dezenten, groovigen, überhaupt nicht störenden Bläsern, guten Gitarren und klimperndem Piano. Läd zum Tanzen ein und verbreitet eine Menge Frohsinn! Es folgt mit "She never makes me cry" ein absolutes Vince Gill-Paradestück! Flott und knackig, herrlich frisch, mit einer wunderbaren Melodie, trockenen Drums, glasklaren E-Gitarren, Mandoline und einer feinen Steel, entführt er uns in die musikalischen Gefilde höchsten New Country-Anspruches. Das muß einfach ein Nr.1-Hit werden. Ebenso knackig und schön fetzig geht es mit "Don't let her get away" weiter. Hier kommen auch die Linedancer auf ihre Kosten. Nach den beiden feinen Balladen "Someday" und "These broken hearts" überrascht er uns mit einem großartigen, wieder sehr melodischen, flotten, waschechten Border-Country-Track, voller tollem mexikanischem Flair, ehe mit "Young man's town" erneut ein absolutes "Erste Sahne"-Stück folgt. Dieser traumhafte Midtempo-Country-Song erinnert zum einen sehr an den frühen Vince, andererseits auch an die wunderbaren alten Klassiker einer Emmylou Harris zu deren besten "Hot Band"-Tagen. So ist es kaum verwunderlich, daß Emmylou selbst bei diesem Track den (unverwechselbaren) Background-Gesang übernommen hat. "Real mean bottle" ist knackiger, purer, flotter Honky Tonk Country mit Outlaw-Touch ala Johnny Cash oder Marty Stuart, voller prächtiger Gitarren und starker Soli, unterstützt von großartiger Steel- und Fiddle-Begleitung. Toll auch die herrliche, semi-akustische, bluegrassige Nummer "Whippoorwill river", der Cajun Country-Knaller "Old time fiddle", der klassische Honky Tonker "Without you", die wunderschöne Country-Ballade "In these last few days", der Uptempo-Country-Fetzer "The sun's gonna shine on you", bei der Vince mit seinen virtuosen E-Gitarrensoli zeigt, welch begnadeter Gitarrist er ist, und das herrliche "This old guitar and me", eine wunderschöne, relaxte, leicht folkig angehauchte Country-Nummer über einen jungen Burschen und dessen Liebe zu seiner alten Gitarre. Wie gesagt, Hut ab, Vinnie! Ein starkes Album! Hochklassiker Country/New Country, inspiriert und modern, aber völlig ohne neumodischen, aufgesetzten "Firlefanz" auskommend, immer die Tradition wahrend. Keine Frage, das ist das "nächste ganz große Ding", das er veröffentlicht hat. Unsere Hochachtung, Vince! Der nächste Grammy kommt bestimmt... - und das völlig verdient....
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