"Made to last" ("gemacht um zu verweilen, zu dauern, in Erinnerung zu bleiben") - welch ein passender Titel für dieses prächtige, neue Album des großartigen Singer-Songwriters und Gitarristen aus Garland/Texas mit zweitem Wohnsitz in Nashville/Tennessee. Knapp 50 Minuten dreckiger, erdiger, "rougher", kerniger, dynamischer Roots-, Americana-, Alternate Country-Rock voller Energie, Vitlität und Biß, wie man ihn besser kaum zelebrieren kann. Vielleicht hat der ein oder andere den Namen Austin Cunningham noch niemals gehört, vielleicht aber auch nur nicht registriert, denn der Bursche gehört zu den etabliertesten Songwritern von Nashville, bei dem sich die Country-Elite in den vergangenen Jahren zuhauf bediente. Leute wie beispielsweise Reba McEntire, Wynonna, Martina McBride, Faith Hill, Dolly Parton, Kathy Mattea, Tracy Byrd, Big & Rich, Hank Williams jr., Del McCoury und Chris Knight (um nur ein paar wenige zu nennen) haben seine Songs aufgenommen und damit große Erfolge erzielt. Doch wie das manchmal so ist, auch Songwriter sind zuweilen selbst phantastische Performer, mit einer ganz eigenen, "anderen" Identität, die sie dann mit ihren Alben und während ihrer Live-Shows voller Inbrunst und Leidenschaft ausleben. Cunningham macht genau das, und zieht, ähnlich wie Kollege Jeffrey Steele, "privat" sein ganz eigenes Ding durch, wobei er sich "einen Dreck" um modische Trends oder kommerzielle Ausrichtungen schert. Wie sagt er so schön: "I'm humbled and grateful to get to do what I love for a living". Er macht die Musik, die ihm Spaß macht, und das kommt rüber! Die Songs sind ungemein authentisch. Man spürt zu jeder Zeit den texanischen Staub, und die Bilder von den ausgetrockneten Pisten des amerikanischen Südwestens ziehen einem am geistigen Age vorbei. Dementsprechend "sandig" ist Austin's Stimme: Mit einem schönen Country-Vibe, aber geprägt von einer rauen, natürlichen Heiserkeit. Das Songmaterial ist meisterhaft! Cunningham erweckt die Geschichten, die er erzählt, regelrecht zum Leben. Und diese Melodien: Einfach herrlich, wie sie sich unnachahmlich ihren Weg in unsere Ohren und in unsere Herzen bahnen. Die musikalische Basis ist überwiegend schön rockig, sehr kraftvoll, vor allem aber rootsig, erdig und mit allen "ehrlichen, handgemachten Ecken und Kanten". Dadurch ergibt sich ein ungemein natürlicher Charme. Satte, kernige E-Gitarren bestimmen zumeist das Bild, unterstützt von einer "tighten" Rhythmus-Fraktion, tollen Grooves und/oder auch mal einer toll integrierten Orgel, Fiddle oder Pedal Steel. Und das Americana-Feeling, wie auch das Country-Ambiente (das Album hat auch seine traditionellen Momente) sind stets präsent. So ist das Ganze nicht nur ein aussergewöhnlich starkes Rootsrock-Album, sondern genauso gut eine wundervolle Americana- oder Alternate Country-/Countryrock-Scheibe. Auch mal ein schönes Southern- oder würziges Red Dirt-Feeling sind spürbar. Sucht man Vergleichsgrößen, so findet man in Austin's Musik Spuren von Joe Ely, Steve Earle, Buddy Miller, Billy Joe Shaver, John Mellencamp, John Hiatt, Walt Wilkins & the Mystiqueros, vor allem aber auch von Chris Knight und Dan Baird! Jawohl, der alte Georgia Satellites-Haudegen Dan Baird (aktuell: Dan Baird & Homemade Sin)! Denn der hat das Album, wie schon etliche Chris Knight-Sachen, auch produziert. Co-Produzent ist Ben Strano! Und die beiden sorgen für einen tollen, rootsigen Sound! Baird hinterlässt, ähnlich wie bei Knight, in der Musik eine deutliche Duftmarke. Unter den Begleitmusikern finden sich solch hervorragende Leute wie Mike Grando (Drums), Michael Webb (Keyboards, Mandoline), Tammy Rogers (Fiddle), Dan Dugmore (Pedal Steel) und natürlich Dan Baird (Gitarren). Los geht's mit dem bärenstarken, von prächtiger, würziger Lead-Gitarre und einem knackig flotten Rhythmus angetriebenen, wunderbar melodischen, herzhaften "kickin'" Rootsrocker "This town's on my nerves" (eine exzellente, illustrative Bestandsaufnahme über die Frustration und die Gedanken der "working country men and women" in den Zeiten von Finanzkrise und Arbeitsplatzverlusten), der einen unmittelbar packt und mit seinem tollen, rockigen Country- und Americana-Flair begeistert. Chris Knight lässt grüssen! Schon nach wenigen Minuten wird einem klar, dass bei diesem Album bis zum Ende nichts mehr schief gehen wird. Das trifft dann auch tatsächlich, denn es folgen Highlight auf Highlight. Ob der riffige Midtempo-Rootsrocker "Catherine" mit seiner klasse Melodie und der deutlichen Dan Baird-Handschrift, die wundervolle Roots-/Countryrock-Ballade "Made to last", die irgendwo zwischen Guy Clark, John Prine, Shaver und Chris Knight angesiedelt zu sein scheint, der klasse groovende, schwül drückende, southern-fueled Roots-/Countryrocker "Sad country song" in seinem dreckigen E-Gitarren-Gewand, der total traditionell verwurzelte, urige, kraftvolle, "barn-burning" Honky Tonk-/Country-Stampfer "Take me back to Ft. Worth" (tolle Fiddle- und Steelguitar-Ergänzungen), die wunderbare, ein wenig an die früheren Buddy Miller-Sachen erinnernde, sehr melodische Americana-/Alternate Country-Ballade "Go easy on yourself", die zwar raue, aber so durch und durch country-manifestierte Honky Tonk-Nummer "Don't distract me (when I'm drinkin'), die deutlich zeigt, dass in Cunningham auch ein Traditionalisten-Herz schlägt, der tierische, mächtig abgehende und dampfende, "whiskey-drenched", rockin' and rollin' Country-/Roadhouse-Boogie "Rock-n-Roll tattoo girl" mit seinen furiosen, rollenden Gitaren und dem starken Piano-Geklimper (welch ein Groove), oder aber der voller Southern Soul steckende, gut abgehende, schwungvolle Texas Country-/Gospel-Heuler "Try Jesus" - alles wahre Glanzstücke! Austin Cunningham "is a shining star from Texas", wie es ein amerikanischer Journalist einmal auf den Punkt brachte, "that light up the grateful hearts of his audience". Ohne Zweifel ein treffendes Statement über einen phantastischen, bislang ausserhalb seiner Songwriter-Verdienste viel zu wenig gewürdigten Musiker! Das muß sich ändern! "Made to last" ist ein "Killer"-Album!
Das komplette Tracklisting:
1 This Town's On My Nerves (3.40)
2 Catherine (4.03)
3 Made To Last (3.14)
4 Sad Country Song (3.39)
5 Take Me Back To Fort Worth (3.40)
6 Go Easy On Yourself (3.15)
7 Last Great DJ (4.03)
8 Don't Distract Me (When I'm Drinkin') (2.48)
9 Recipe For Disaster (3.35)
10 Further Down The Road (3.53)
11 My Last Tongue Lashin' (3.36)
12 Rock-n-Roll Tattoo Girl (5.48)
13 Try Jesus (3.57)
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